Die Pulvermühle von Weißbach

Die Pulvermühle von Weißbach war in der Zeit, etwa ab Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 18. Jahrhunderts, im Gelände des heute so genannten Pulvergrundes, unweit des legendären Hermannsgrabes am Ölbach gelegen. Dieser Standort hier, weit ab vom eigentlichen Wohnort, war für das Betreiben der Pulvermühle wegen der „Großen Gefährlichkeit“, die von solchen Anwesen ausgeht, von der Obrigkeit so festgelegt worden.

In dieser Pulvermühle von Weißbach wurden „verschiedene Sorten“ hochwertigen Schwarzpulvers im Auftrag der Hoch-Gräflichen Solmischen Herrschaft von Wildenfels hergestellt. Aus spärlichen Unterlagen und mündlichen Überlieferungen, welche über diese Pulvermühle von Weißbach vorhanden sind, geht hervor, dass die Herstellung von Schwarzpulver für die Wildenfelser Grafschaft wirtschaftlich und politisch sehr bedeutend war.

Das in Weißbach hergestellte Schwarzpulver wurde vorrangig dazu benutzt, um in den Schächten der umliegenden Bergstädte die Erze aus den „tauben Gesteinen“ zu schießen. Bergstädte gab es viele in der näheren Umgebung. Aber auch für militärische Zwecke wurde es genutzt, und Militär, das mit so mancher Kanone oder Muskete knallte, gab es mehr als genug um Weißbach herum.

Angetrieben wurde die Pulvermühle über eine „Wasserkunst“. Hierzu wurde vom Ölbach aus über ein Grabensystem ein „Stauwasser“ im so genannten Pulverteich „genährt“, der heute noch völlig „in takt“ an seinem Standort vorhanden ist. Dieses Stauwasser vom Pulverteich trieb, über einen Fluter geleitet, als „Aufschlagwasser“ ein Oberschlächtiges Wasserrad mit einem Durchmesser von etwa zwei Metern und einer Breite von etwa einem Meter an. Ein mit diesem Wasserrad „festgefügter“ Exenter hielt über eine Distanz von reichlich 28 alter Lachter, entspricht etwa 60 m Länge heute, die Pochwerksstempel der Pulvermühle „im Gang“.  „Selpige pulvermühl war wegen derer extremen anfälligkeit vor den nässen im sprudel der wasserskunst so auf eine distanz von 28 alter lachter auf einen ebenen und trockenen haldenboden gleich links neben den bache gesetzt worden“. Es bestand sogar eine direkte Wegeverbindung von der Stadt Wildenfels aus zum ehemaligen  Standort der Pulvermühle von Weißbach. Diese führte zunächst von Wildenfels aus durch den Ort Grünau. Über Weißbacher Fluren verlief die Verbindung entlang des „Wildenfelser Communweges“, der einst südöstlich vom Weißbacher Niederdorf bis nach Hermannsdorf gelegen war. Weiter zog sich der Weg über den „Grafensteig“, den heutigen Finkenweg, mit der Fortsetzung im heutigen Lärchenweg. Die Verbindung endete, indem der Weg über die Alte Salzstraße und dem davon abzweigenden “Pulversteig“, welcher noch heute wie ursprünglich vorhanden ist, direkt bis hin zur Pulvermühle führte.

Nach überlieferter Legende „flog eines schönen Tages“ diese Pulvermühle von Weißbach „mit einem lauten Knall in die Luft“. Dabei sollen: „dabey drei derer ehrbaren in unvorsichtigkeit mit dem feuerwerk hantierten, die schuld der natur mit dem leben zahlen sollen“.