Der Buttersepp erzählt die Geschichte von Weißbach

 

 

  

Die Heimat vom Butter - Sepp und seinen Freunden ist das westerzgebirgische Dorf Weißbach, heute ein Ortsteil der Einheitsgemeinde Langenweißbach, im südlichen Teil des Landkreises Zwickauer Land gelegen.

Der Ort Weißbach mit seinen einzelnen Dorfluren, die man ortsüblich als Niederdorf, Mitteldorf, Oberdorf und Hermannsdorf bezeichnet, liegt lieblich, schön und etwas verträumt in einem langgezogenen Tal auf halben Weg zwischen Zwickau und Schneeberg in einer sanften Mittelgebirgslandschaft eingebettet, an der heutigen Ferienstraße „Silberstraße“.

Von einem schmalen Bergsporn aus blickt stolz und majestätisch die schöne und über mit monumentaler Kunst ausgestattete Salvatorkirche herab auf den umliegenden Ort.

 

Geografisch bildet Weißbach durch seinen steilen Geländeanstieg, vom Verlauf der Zwickauer Mulde aus bei einer Höhe von 290 Metern, über normal null beginnend, bis zum Hartmannsdorfer Forst an der heutigen Bundesstraße B 93 mit einer geografischen Höhe von etwa 520 Metern, hinauf reichend den unmittelbaren Übergang vom gemäßigten Erzgebirgsvorland zum steilen oberen Erzgebirge.

 

Im Volksmund wird der Ort Weißbach seit allen Zeiten als Straßen-, Butter-, Fleischer- und Stänkerdorf bezeichnet.

Damit spiegelt dieser Ort mit seinen historischen Gewerken, vorwiegend mit dem der Frachtfuhrleute und Kutscher, dem der Butterleute, der Fleischer und Stänker seit seiner Ortgründung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine besondere dörfliche Gemeinschaft wieder, die gemeinsam über alle Jahre ihrer Geschichte hinweg den Ort prägten und seinen Einwohnern stets eine gesicherte soziale Existenz schufen.

Begünstigend für die herausragende Entwicklung dieser Gewerke in Weißbach war seine günstige Ortslage.

 

Ist doch der Ort unweit größerer Städte und an bedeutenden Straßen verkehrsgünstig gelegen. So siedelte sich einst der Ort Weißbach planmäßig als Waldhufendorf an der südöstlichsten Grenze des ehemaligen Reichslandes Pleißen, dem heutigen Territorium des Westerzgebirges im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts, so um das Jahr 1175 herum an einer der heute noch sogenannten und sagenumworbenen Salzstraßen an.

 

In der Zeit des Mittelalters durchzogen einige von diesen Salzstraßen, die man auch alsSaumpfade nach Böhmen“ oder „semitas bohemica“ bezeichnete, meist aus nordwestlicher Richtung kommend weiter in südöstliche Richtung verlaufend unsere Gegend. Auf ihnen wurden neben verschiedensten Handelsgütern, vor allem Salz aus der salzreichen Hallenser Gegend über Altenburg heran, durch den erzgebirgischen Urwald, dem Miriquidi, über dessen Gebirgshöhen hinweg weiter ins salzarme böhmische Gebiet transportiert.

 

Überlebenswichtig und deshalb kostbar wie Gold war in dieser Zeit das Salz. Man benötigte es hauptsächlich dazu, um dringend notwendige Fleischvorräte zu konservieren. Eine dieser einst von Mensch und Tier im unwegsamen Gelände des erzgebirgischen Urwaldes getrampelten hochmittelalterlichen Altstraßen war die Salzstraße, über den Preßnitzer Paß. Sie verlief aus Halle kommend, über Altenburg nach Zwickau heran.

 

Vom günstig gelegenen Muldenübergang, nordöstlich bei der Stadt Zwickau, am sogenannten Muldenbogen neben derOststraße am Freytag“ befand sich einst der sogenannte „Wegeknoten“ von Zwickau. Dieses ist das Gelände, das sich etwa auf der geografischen Höhe der heutigen Paradisbrücke befindet.

Von hier aus, verlief einst diese Salzstraße als „Hohe Straße über die Fluren der heutigen Städte Vielau, Wildenfels, Hartenstein, Lößnitz, Grünhain und Schlettau, überquerte am „Preßnitzer Paß“ den Kamm des Erzgebirges und führte weiter über böhmisches Land bis Prag.

Jedoch an den Fluren nach der Stadt Zwickau, so etwa zwischen den heutigen Städten Vielau und Wildenfels, verzweigte sich dieser einst so wichtige Handelsweg in unmittelbarer südlicher Richtung als ein sogenannter ,,Rückenweg“ ab. Bei Wiesenburg, am heutigen Standort des Wasserwerkes querte dieser die Zwickauer Mulde. An dieser Stelle befand sich einst sogar am rechten Ufer der Zwickauer Mulde eine Wegekapelle, die dem Heiligen Nikolaus geweiht war. Weiter verlief diese Salzstraße durch den Ort Wiesenburg auf dem Weg über den Schloßberg.

Ihren weiteren Verlauf setzte sie durch die Fluren am Amsel Bach - Tal, auf dem heute noch existierenden „Krummen Weg“, einer Wegeverbindung, die sich zwischen Wiesenburg und Weißbach befindet, weiter bis zum Ort Weißbach fort. Hier in Weißbach durchzog diese Salzstraße in einem gefällig verlaufenden Bogen aus nordwestlicher in südliche Richtung verlaufend, den Ort. Wobei sie unmittelbar an der im Zentrum von Weißbach, am heutigen Standort der Dorfkirche befindlichen legendärenRommelsburg, vorüberführte.

Diese „Rommelsburg“, eine frühmittelalterliche Wallburganlage, diente in der Zeit des späten Mittelalters als Wegestreckenburg. Sie wurde auch als eine so genannte „Etappe“, oder ,,Berge“, für die Säumer, Händler, Pilger und anderen Reisenden dieser Salzstraße bezeichnet. Zusätzlich hatte die Rommelsburg eine Funktion als Warenlager und einer Versorgungsstelle für Mensch und Tier . Auch wurde von hier aus einst kaiserliches Geleit allen Reisenden auf ihren weiteren Weg durch den finsteren Erzgebirgswald gewährt.

 

Eine relativ unbekannte Tatsache ist, das um die Zeit der Besiedlung des westlichen Erzgebirges, hier vom Standort dieser Weißbacher Rommelsburg aus, sich zusätzliche Siedlungsbahnen von dieser eigentlichen Salzstraße abzweigten. Einer dieser Abzweige führte so über die Fluren der Orte Lerchenberg und Langenbach nach der ,,Isenburg“ bei Wildbach hin. Ein weiterer Abzweig führte vom Ausgangspunkt der Rommelsburg über den Ortsteil Hermannsdorf von Weißbach. Weiter verlief er über den sogenannten Marktsteig, das war einst ein Weg, der nördlich am Stockberg und Keilberg entlang führte, welche bei der heutigen Stadt Schneeberg gelegen sind. Auf seinem weiterem Verlauf querte dieser Abzweig den heutigen Ort Bad Schlema. Nördlich am Gleesberg verlief er weiter über den heute noch vorhandenen Weg an den sogenannten ,,Peuschel Gütern“, die sich auf den Fluren von Brünnlaß befinden. Seinen weiteren Weg setzte er über das Territorium der heutigen Stadt Aue fort. Dort in Aue überquerte er die Zwickauer Mulde und das Schwarzwasser und verlief über die Fluren des Ortes Zelle zum Standtort nach dem ,,Augustiener Chorherrenkloster“ von Zelle hin.

 

Ein weiterer letztlich erwähnter Abzweig dieser Salzstraße führte einst von Weißbach aus, in einem gefällig verlaufenden Bogen am Hermannsgrab, einem so bezeichnetem Felsmasiv, das im Wald zwischen Weißbach und Grießbach gelegen ist vorbei. Durch den Grießbacher Wald an den so genannten „Faulen Pfützen“, verlief er über den Heiteren Blick,einer markanten Höhe die sich westlich am Ort Grießbach befindet. Weiter verlief er entlang dem Ort. Sein weiterer Weg führte über das Territorium der heutigen Stadt Neustädtel , über Zschorlau, Albernau, Bockau, Antonsthal und Crottendorf. Über böhmisches Gebiet, weiter über Karlsbad führte dieser seinen Weg letzt endlich bis Prag fort.

 

Aber dort, ganz oben am eigentlichen Ende des Ortes, nach dem steilen Anstieg hinauf ins Gebirge, im heute sogenannten „Oberdorf“, aber eigentlich geografisch im Süden gelegen, verlief diese Altstraße direkt bis zur „Rast am offenem Quell am Tränklein“ hin. Weiter heißt es dazu in entsprechenden Ausführungen:“ An diesem ungemein lieblich, wenn auch still und verborgen, mitten im üppigen Nadelwald gelegenen Au bei Weyßpach laaben sich herzhaft und stillvergnügt Mensch und Tier nach erduldeter Strapatz am erfrischend Nass.“ So wurde früher ein relativ ebenes und von einigen Quellbächen durchzogenes mit kleinen Teichen ausgestattetes Wiesengrundstück, das sich zwischen dem heutigen Sonnenweg von Weißbach und der heutigen B 93 liegt, bezeichnet. Von hier aus verlief diese Salzstraße nach queren der heutigen B 93 am Autohaus „Renault“ der Familie Joachim Windisch vorbei, weiter über die Fluren des ehemaligen Wiesenburger Amts-Waldes, des heutigen Hartmannsdorfer Forstes.

 

Weiter verlief ihre Route über die Fluren der alten Bergstadt Eibenstock und den „Frühbusser Paß.“ Von dort führte sie weiter ins Böhmische Land in Richtung der ehemaligen westböhmischen Reichsstadt Eger, der heutigen tschechischen Stadt Cheb hinüber. Diese Salzstraßen besaßen im Mittelalter neben ihrer wirtschaftlichen und strategischen Bedeutung zusätzlich noch eine äußerst wichtige politische Bedeutung für unsere Heimat. Vollzog sich doch von ihrem Verlauf aus sehr schnell die Besiedlung des gesamten Umlandes des Erzgebirges. Sie dienten somit als ideale natürlich vorhandene Siedlungsbahnen der ehemaligen Kollonisatoren.

 

Einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung erlangte der Ort Weißbach im späten Mittelalter nach dem „Bergkgeschrey“ der Bergleute am Schneeberg im Jahre 1471, da etwa ab dieser Zeit die Zwickauer – Schneeberger - Chaussee errichtet wurde, die Weißbach ebenfalls einst weiträumig durchzog, jedoch häufig im Lauf der Jahrhunderte ihren eigentlichen Verlauf änderte. Und letztendlich ab dem 18. Jahrhundert etwa der Streckenführung der heutigen B 93 entspricht.

Auf dieser für damalige Verhältnisse relativ modern und gut angelegten und ausgebauten Straße mussten immer mehr Güter und Personen transportiert werden, die dazu notwendig waren, um die für damalige Zeit schnell erblühende Bergstadt Schneeberg mit ihren Anwohnern und Bergleuten mit allen nötigen Dingen versorgen zu können.

 

Dieses hatte für den Ort Weißbach zur Folge, dass sich vorwiegend typisches Handwerk und Gewerbe ansiedelte und entwickelte, dass diesem Bedarf entsprach und dass den Verkehr auf dieser Straße und ihren Nebenwegen garantierte. So heißt es über den Ort Weißbach bezeichnend:Darumb trüge eyn jeglicher Inwohner in dem im Ober-Sächsischen-Creyse inliegenden Ertz-Gebürgs-Ortes Weyßpach, zugehörig zur Hoch-Gräflichen-Solmschen Herrschaft zu Wildenfels, mit all ihren thun und werken dazu bey, dass eyn jeglich Fuder nothdürftig aber wohl-gefällig zu seyner Bestimmung auf allen Land-Strassen, Wegen und Richtsteigen dahin geführt seyn möge“.

Zusätzlich war es für die in Weißbach ansässigen Bauern, Handwerkern und Händlern nötig, auch weitere sich unweit vom Ort befindliche Bergstädte des Erz- sowie des Kohlebergbaues mit lebensnotwendigen sowie mit speziell für den Bergbau gebräuchlichen Dingen zu versorgen. So siedelten sich entlang dieser Handelsstraßen spezielle Handwerke, die für den Fuhrbetrieb unentbehrlich waren, wie etwa die Stellmacher, die Schmiede, die Sattler und Riemer an. Überall günstig an den Straßen im Ort gelegen, waren zahlreiche Dienstleistungen, Kramer- und Ladengeschäfte sowie Schenken, Wirtschaften und Ausspannen eingerichtet. Hier wurden die Fuhrleute mit ihren Zugtieren sowie alle Reisenden mit dem für „Leib und Wohl“ nötigsten versorgt. Dieser Umstand hatte unter anderem zur Folge, das zeitweise gleich zwei Brauereien im Ort Weißbach Bier brauen mussten, um den nötigen Bedarf dieses damals wichtigen Nahrungsmittelsgerecht zu werden. Sogar einen Pferdemarkt gab es früher im damalig eigenständigen Ort Hermersdorf, einem nun schon seit mehr als 250 Jahren zu Weißbach gehörigen Ortsteil.

Jeweils am Montag der 11. Kalenderwoche des Jahres, so um den Josfi-Tag herum, als auch nach Michaeli, am Montag in der 41. Kalenderwoche des Jahres, wurde hier am Rossmarkt, einem von den Anwohnern noch heute so bezeichneten Platz, der sich am Kreuzpunkt der heutigen Schul- bzw. Langenbacher Straße mit der Hermannsdorfer Straße befindet, Markt abgehalten. Dabei wurden vorwiegend am heute historischen Platz die damals unverzichtbaren Zugtiere gehandelt. Gleich nebenan sorgte der damals dort ansässige „Bergschmied“ für das ordentliche Beschlagen der gehandelten Tiere und ein „Wonger“ fertigte und reparierte gleich um die nächste Ecke herum die zugehörigen Wagen und Kutschen. In und um den Ort Weißbach herum entstanden im Verlauf der Zeit relativ viele und gut funktionierende Bauernhöfe, die nötige Lebensmittel produzierten und ausgiebig Viehzucht betrieben. Das Fleischerhandwerk entwickelte sich im Ort ebenfalls überdurchschnittlich. So berichtet man zeitweise von um die 30 ansässigen freien Fleischhauern und Viehhändlern im Ort. Es gab jedoch auch außergewöhnliche Dinge, die nur speziell hier in Weißbach gefertigt wurden und mit denen ein intensiver Handel bis weit über die Grenzen des Landes hinaus getätigt wurde. Dieses waren die Stänkerprodukte, wie etwa der Unschlitt, den vorwiegend die Bergleute zum Betreiben ihrer Geleuchte benötigten oder etwa Schmiermittel, wie das „Stänkerfett“, dass zur reibungslosen Funktion der Kunstgewerke, der Mühlen und Hämmer sowie ihrer Gestänge im Umland gebraucht wurde.

 

Diese außergewöhnliche Ortslage sowie die Entwicklung seines orttypischen Handwerks sind es, was den Ort Weißbach auch heute wieder interessant machen. Und nun versuchen der Butter - Sepp Dietmar Hochmuth und seine Freunde aus Weißbach wieder als kleine Interessengemeinschaft dieses alte bäuerliche Brauchtum des Erzgebirgsortes Weißbach, wie das Butter-, Fleischer- und Stänkerhandwerk zu erforschen, zu bewahren und lebendig zu halten. Dafür haben die Mitglieder dieser kleinen Heimatgruppe über Jahre hinweg einige historische Gerätschaften, wie sie vor vielen Jahren für diese leider heute in Vergessenheit geratenen Berufe typisch waren, zusammengetragen. Um alle diese alten Gerätschaften auch heute wieder mit neuem Leben erfüllen zu können, schlüpfen die Mitglieder der kleinen Heimatgruppe aus Weißbach ab und zu in ihre dazu passende Kleidung und versuchen so gut wie möglich die alten Handwerke auf Festen und Veranstaltungen nachzustellen. Meist tun sie dieses in Begleitung Gleichgesinnter, wie etwa der ehemaligen Milchkönigin von Sachsen, Katrin Seyffert aus Burghardtsdorf, den Heimatfreunden vom Lößnitzer Salzmarkt oder etwa mit dem Butterformstecher Konrad Martin aus der Schwarzmühle von Börnichen.

Natürlich benötigt der Butter - Sepp für seine historischen Vorführungen Helfer, diese sind seineFreunde und auch deren Kinder mit dazu. Gerne helfen diese bei den historischen Vorführungen auf Festen und Märkten mit. Dabei stampfen schon mal auch die Kinder ein Butterfaß mit fachlichem Können und mit der dazu gehörigen Routine, so wie die „Alten“, um aus dem Rahm der Milch Butter zu fertigen oder sie formen die Butter in Holzbutterformen nach alt her gebrachter Art und Weise aus.

Dabei sind sie recht stolz darauf, wenn die schönen traditionellen Motive dieser Butterformen so recht zur Geltung gelangen. Bei diesen Vorführungen schauen die Besucher dem Butter - Sepp und seinen Freunden oft genau auf die Finger und sie haben viele Fragen zur Geschichte dieser traditionellen Gewerke.

Somit erfahren diese Besucher aber auch viele Einzelheiten und Details über das alte Butter- und Fleischerhandwerk. Interessant ist die Tatsache, dass früher der größte Teil der hergestellten Butter und der größte Teil der tierischen Fette gar nicht zu ihrem Verzehr genutzt wurden, sondern diese Rohstoffe hat man vorwiegend dazu genutzt, um aus ihnen Produkte zu fertigen, die heute leider schon lange in Vergessenheit geraten sind.

 

Der Stänker, ein leider längst vergessener Beruf vom einst „niederen Handwerksstande“, der ähnlich dem heute noch bekannten Köhler wirkte, verarbeitete diese Rohstoffe weiter. So fertigte er einst, sottete wie es fachlich richtig bezeichnet heißt, in eigens dafür weit vom eigentlichen Wohnort abgelegenen Stänkerhäusern teils aus Butter, tierischen Fetten sowie aus geringen Mengen Bienenwachs und weiteren geheimen Zusätzen nach alt her gebrachten Familienrezepten Unschlitt oder Inselt, also sogenannte „Unschlittlichter oder „Inseltlichter“.

Fettbrand“ wurde dieser Lampenbrennstoff auch landläufig genannt. Diesen Fettbrand nutzte man seit alters her, wahrscheinlich schon lange vor der Zeit des Beginns der Zeitrechnung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein als unentbehrliches gebräuchlichstes Leuchtmittel zum Betreiben von Laternen und Lampen in den Stuben der Häuser der Städte und Dörfer. Ebenso wurden die Geleuchte der Bergleute in den Bergwerken der umliegenden Bergstädte, in denen die Bergknappen nach Erzen und Kohle schurwerkten, mit diesem einst bedeutungsvollen Leuchtmittel betrieben.

Von unangenehmen Geruch, zähflüssig, stark rußend und qualmend waren sie, diese einst vom Stänker hergestellten, doch für die damalige Zeit absolut unverzichtbaren Unschlittlichter, die nur mit einem einfachen Kienspan als Docht versehen, betrieben wurden. Man bedenke nur, erst seit nunmehr etwa Hundert Jahren wird elektrischer Strom zum Beleuchten im Haushalt genutzt. Vor dieser Zeit konnten Laternen und Geleuchte nur mit tierischen und pflanzlichen Leuchtmitteln betrieben werden. Das heute alles beherrschende Erdöl konnte auch erst im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts dazu genutzt werden, um industriell Leuchtmittel daraus zu fertigen.

Auch Wagenschmiere, das sogenannte „Stänkerfett“, stellten diese Stänkersleute her. Dazu verwendeten sie gleichfalls als Ausgangsmaterialien teils Butter, tierische Fette, Leinöl, Pech, Ruß und manch weitere Dinge dazu. Außerdem stellten sie Schuhcreme, sowie Teer zum Abdichten von allerlei, wie Fässer, Boote, Bottiche und Holzgefäße, sowie Farbstoffe, Tuschen und Druckerschwärze her.

Aber auch Arzneiprodukte entstanden unter ihren geschickten Händen. So „laborierten“ sie für die damalige Zeit unentbehrliche und verschieden wirksame und geheimnisumwehrte Salben, geschmeidige Öle und berauschende Tinkturen, die bei mancherlei Wehwehchen und Quacksalber von Mensch und Tier verhalfen „Erleichterung zu verschaffen“. Zu berichten ist aber auch davon, wie diese Stänkersleute damals als ganz arme Hausierer übers weite Land zogen, um ihre Produkte zu verkaufen. Meist taten sie dieses mit einem Reff, einem ganz einfachen Holztragegestell, auf dem Rücken, manchmal schoben sie dazu zusätzlich einen ganz einfachen Schiebbock, vor dem sie nicht selten noch ihren Hund anspannten, vor sich her. Schwer beladen waren diese primitiven Transportgeräte mit von ihnen hergestellten Stänkerprodukten.

 

Hart, karg und entbehrungsreich war das Leben dieser Handwerker und gering ihr Lohn. Aber ganz wichtig für alle Bürger, ob arm, ob reich im weiten Land war einst ihr Tun. Somit hat dieser leider heute in Vergessenheit geratene und doch einmal über so viele Generationen der Menschheitsgeschichte hinweg so wichtige Beruf des Stänkers, der Fleischer und der Butterleute von Weißbach mit dafür gesorgt:

 

- dass dem Rest der Welt ein Licht aufging,



- dass alle Welt gut trockenen Fußes weit übers Land ziehen konnte,


- dass alle Welt ein dichtes Dach über dem Kopf hatte,



- dass alle Welt zu Genesung und Wohlbefinden verholfen wurde und



- dass alle Fuhrmannswagen und höfische Karossen wie geschmiert übers weite Land rollen konnten.


 

War dieses der Fall, so durfte der Stänker sich glücklich fühlen, erhielt er doch für seine guten Waren ein angemessen „nothdürftig gehaltenes Schmiergeld“ erstattet.



Quelle: Dietmar Hochmuth